Melasma trotz Sonnencreme: meist stimmt nur die Menge nicht
Trotz täglicher Sonnencreme dunklere Flecken im Gesicht? Meist liegt es an der Menge: Der Lichtschutzfaktor gilt erst ab vier Esslöffeln pro Ganzkörper.

Sie cremen sich jeden Morgen ein, und die bräunlichen Flecken auf Wangen, Stirn und Oberlippe werden trotzdem Sommer für Sommer etwas dunkler. Bevor man an der eigenen Haut verzweifelt, lohnt ein Blick auf eine unspektakuläre Zahl: Der Lichtschutzfaktor auf der Flasche gilt nur für eine bestimmte aufgetragene Menge — und die erreichen die wenigsten. Wer nur die Hälfte aufträgt, kann den Lichtschutzfaktor um zwei Drittel verlieren, rechnet das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) vor. Bei einem Melasma, das direkt auf UV-Belastung reagiert, ist genau das der wunde Punkt.
Was hinter einem Melasma steckt
Ein Melasma entsteht durch eine Überproduktion des Pigments Melanin, das von spezialisierten Zellen, den Melanozyten, gebildet wird. Das MSD Manual (Ausgabe für Patienten, Stand August 2024) beschreibt es als fleckige, dunkle Areale vor allem auf beiden Gesichtshälften — Wangen, Stirn, Schläfen, Oberlippe und Nase. Es tritt am häufigsten in der Schwangerschaft und bei Frauen auf, die orale Kontrazeptiva einnehmen, und ist bei dunkelhäutigen Personen häufiger und langwieriger. Als weitere Risikofaktoren nennt das Manual autoimmune Schilddrüsenerkrankungen, Antiepileptika und Medikamente, die die Haut lichtempfindlicher machen.
Der gemeinsame Nenner all dieser Auslöser ist die Sonne, und die ist in Deutschland messbar: Das BfS empfiehlt, sich am UV-Index zu orientieren. Ab UV-Index 3 gehört die Mittagszeit in den Schatten, ab UV-Index 8 möglichst ins Haus. Reflexionen an Schnee, Wasser oder hellen Hausfassaden können die tatsächliche Belastung dabei noch über den angezeigten Wert heben.
Die Menge, die kaum jemand aufträgt
Der Lichtschutzfaktor wird laut BfS für eine Konzentration von 2 Milligramm Sonnenschutzmittel pro Quadratzentimeter Haut bestimmt. Anschaulich gerechnet sind das bei einem Erwachsenen vier gehäufte Esslöffel für den ganzen Körper — oder, anders herum geprüft: Eine 200-Milliliter-Flasche sollte nach etwa fünfmaligem Eincremen des ganzen Körpers leer sein. Wer seine Flasche über den ganzen Sommer bringt, trägt fast sicher zu wenig auf.
Zwei Details aus den BfS-Sonnenschutzregeln werden dabei besonders oft falsch verstanden. Erstens gehört die Creme eine halbe Stunde vor dem Rausgehen auf alle unbedeckten Stellen, nicht erst am Strandkorb. Zweitens, und das ist der entscheidende Satz: Nachcremen verlängert die Schutzwirkung nicht, es erhält sie nur. Mehrmals täglich nachcremen ist also Pflicht, kauft aber keine zusätzliche Zeit in der Sonne. Das BfS rät entsprechend, die rechnerische Schutzdauer höchstens zu 60 Prozent auszuschöpfen.
Nicht die Mythen — das hilft wirklich
- Kleidung zuerst, Creme danach — das BfS nennt Kleidung und Kopfbedeckung ausdrücklich den besten und einfachsten Schutz; die Kopfbedeckung sollte auch Ohren und Nacken abdecken. Sonnencreme ist für das, was unbedeckt bleibt.
- Bei Melasma LSF 50 oder höher — das MSD Manual empfiehlt Betroffenen ein Sonnenschutzmittel mit LSF 50+ und Kleidung mit UV-Schutzfaktor (UPF) 50 oder höher. Für alle anderen gilt die BfS-Empfehlung von mindestens LSF 30.
- Getönt statt klar — die meisten chemischen Filter schützen vor UV, nicht vor sichtbarem Licht. Das MSD Manual rät deshalb zu einem getönten Produkt mit Zinkoxid oder Titandioxid, die sichtbares Licht physikalisch abblocken.
- Kein Solarium — laut BfS erhöht Vorbräunen den Eigenschutz der Haut nicht nennenswert und schützt nicht vor Sonnenbrand; für Minderjährige ist die Nutzung in Deutschland ohnehin gesetzlich verboten.
Zur Behandlung selbst nennt das MSD Manual hautbleichende Cremes mit Hydrochinon, Tretinoin oder einem Kortikosteroid sowie Azelainsäure, dazu chemische Peelings, Laser und Tranexamsäure. Wichtig ist dabei weniger die Liste als eine Einschränkung: Hydrochinon sollte nur unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden, weil eine Langzeitanwendung selbst eine dauerhafte Hyperpigmentierung auslösen kann. In der Schwangerschaft gelten Azelainsäurecreme und Glykolsäure-Peelings als sicher, Hydrochinon, Tretinoin, Tranexamsäure und Trichloressigsäure-Peelings dagegen nicht.
Meist fehlt nur die Menge
Die Punkte dieses Artikels lassen sich in einer Minute abhaken: Ist die aufgetragene Menge realistisch — landet eine 200-Milliliter-Flasche nach etwa fünf Ganzkörper-Anwendungen im Müll? Liegt die Creme eine halbe Stunde vor dem Rausgehen auf der Haut? Wird mehrmals täglich nachgecremt, im Wissen, dass das die Zeit in der Sonne nicht verlängert? Steht Kleidung vor Creme, und ist bei Melasma LSF 50+ mit getöntem Filter im Spiel? Und wird der UV-Index überhaupt angeschaut? Wer hier drei Haken setzen kann, hat den größten Teil erledigt. Wenn die Flecken sich ausbreiten, kurz nach einem neuen Medikament aufgetreten sind oder sich unter Selbstbehandlung nicht bessern, gehört das in eine hautärztliche Praxis. Dieser Text ist allgemeine Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
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