Alkohol, Koffein und Salz: Was sie im Innenohr bei Tinnitus auslösen
Wird dein Tinnitus abends lauter? Alkohol, Koffein und salzige Wurstwaren können die Durchblutung und den Flüssigkeitsdruck im Innenohr beeinflussen.

Wer abends in einem ruhigen Zimmer sitzt und plötzlich ein deutliches Klingeln oder Pfeifen im Ohr wahrnimmt, denkt oft zuerst an Stress. Tatsächlich können aber auch ganz alltägliche Gewohnheiten wie ein Feierabendbier, ein Energy-Drink am Nachmittag oder eine salzige Mahlzeit die Durchblutung und den Flüssigkeitsdruck im Innenohr beeinflussen – und genau das kann Ohrgeräusche in der Stille lauter erscheinen lassen. Im Folgenden ein Blick auf drei Auslöser und darauf, was im Alltag tatsächlich helfen kann.
Wie Alkohol die Durchblutung im Innenohr verändert
Alkohol lässt die Blutgefäße kurzfristig anschwellen, was zu einer stärkeren Durchblutung im Innenohr führt – dieser plötzliche Wechsel kann von manchen Menschen unmittelbar als Ohrensausen wahrgenommen werden. Hinzu kommt die entwässernde Wirkung von Alkohol: Weil dem Körper Flüssigkeit entzogen wird, gerät der Flüssigkeitshaushalt aus dem Gleichgewicht, auf den auch das Innenohr angewiesen ist. Diese Kombination aus schwankender Durchblutung und Flüssigkeitsverlust erklärt, warum Ohrgeräusche am Morgen nach einem geselligen Abend bei manchen Menschen stärker ausfallen.

Koffein aus Energy-Drinks als Reizfaktor
Koffein wirkt als Stimulans auf den Körper und wird von Fachleuten als möglicher Faktor genannt, der die subjektiv wahrgenommene Lautstärke von Ohrgeräuschen erhöhen kann – wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt stark vom individuellen Nervensystem ab. Energy-Drinks enthalten oft deutlich mehr Koffein als eine übliche Tasse Kaffee und kombinieren das mit einer hohen Zuckermenge, die den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen und wieder abfallen lässt. Dieser Wechsel kann kleine Blutgefäße im ganzen Körper belasten, wozu auch die feinen Gefäße im Innenohr zählen.

Salzige Wurstwaren und der Druck in der Endolymphe
Bei Morbus Menière, einer Erkrankung des Innenohrs, geht man von einem Überdruck in der Endolymphe aus – jener Flüssigkeit, die das Innenohr füllt. Eine natriumarme Ernährung gilt hier als anerkannter Baustein der Behandlung, weil überschüssiges Natrium die Flüssigkeitsansammlung im Innenohr begünstigen kann. Im Alltag liefern vor allem Wurstwaren und Aufschnitt einen großen Teil der Salzzufuhr: Laut Untersuchungen liegt der Salzgehalt bei Fleisch- und Wurstwaren häufig über 1,5 Gramm pro 100 Gramm. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt maximal 6 Gramm Salz pro Tag – tatsächlich liegt der Konsum bei Männern in Deutschland im Schnitt bei rund 9 Gramm täglich, bei Frauen sind es im Mittel etwa 6,5 Gramm. Wer regelmäßig zu Wurstwaren, Käse oder Fertigsaucen greift, überschreitet die Empfehlung damit oft, ohne es an einem besonders salzigen Geschmack zu bemerken.

Was im Alltag wirklich helfen kann
- Zu Alkohol immer auch Wasser trinken — im Wechsel mit Wasser lässt sich der entwässernden Wirkung von Alkohol leichter entgegenwirken.
- Energy-Drinks durch koffeinfreie Alternativen ersetzen — Mineralwasser oder ein leichter Früchtetee liefern Erfrischung ohne den zusätzlichen Koffein- und Zuckerschub.
- Bei Wurst und Aufschnitt auf die Nährwerttabelle achten — natriumärmere Varianten oder frisch zubereitetes Fleisch senken die Salzzufuhr spürbar.
Kurz zusammengefasst
Ohrgeräusche haben viele mögliche Ursachen, doch Alkohol, Koffein und Salz haben gemeinsam, dass sie die Durchblutung oder den Flüssigkeitsdruck im Innenohr beeinflussen können – und genau das kann Tinnitus in ruhiger Umgebung stärker hervortreten lassen. Kleine, dauerhafte Anpassungen bei Trink- und Essgewohnheiten können hier unterstützend wirken. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung – bei anhaltendem oder zunehmendem Tinnitus sollte eine HNO-Fachärztin oder ein HNO-Facharzt aufgesucht werden.
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