Scheidenpilz: Was das Risiko wirklich erhöht – und was nicht
Zucker im Essen steht nicht auf der Ursachenliste von gesund.bund.de. Was Scheidenpilz wirklich begünstigt, was nicht hilft und wann ein Arztbesuch nötig ist.

Wer wiederkehrenden Scheidenpilz hat, hört schnell den Rat, den Zucker wegzulassen. Ein Blick auf gesund.bund.de, das Portal des Bundesgesundheitsministeriums, lohnt sich vorher: In der Liste der Faktoren, die eine Pilzinfektion der Scheide begünstigen, steht Zucker in der Ernährung nicht. Was dort steht, ist konkreter — und ein Teil davon lässt sich tatsächlich beeinflussen.
Was das Risiko tatsächlich erhöht
Verursacht wird die Erkrankung vor allem durch den Hefepilz Candida albicans, der Bestandteil der natürlichen Scheidenflora ist und normalerweise keine Beschwerden macht. Gerät die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht, kann er eine Infektion auslösen. Genannt werden: ein erhöhter Östrogenspiegel während einer Schwangerschaft, die Antibabypille, die den Hormonhaushalt ähnlich verändert, Diabetes und andere Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen, sowie Medikamente und Behandlungen wie Antibiotika, Kortison und Hormon-, Strahlen- oder Chemotherapien. Als weitere begünstigende Faktoren werden Stress, übertriebene Intimhygiene, synthetische und eng anliegende Kleidung, Schwitzen und luftdichte Slipeinlagen oder Binden aufgeführt.
Wie häufig es ist
Pilzinfektionen der Scheide sind nach Bakterieninfektionen die zweithäufigste Ursache für Scheidenentzündungen. Bis zu 75 von 100 Frauen haben mindestens einmal im Leben einen Scheidenpilz, am häufigsten im gebärfähigen Alter. Häufig sind die Beschwerden nur leicht, manchmal treten gar keine auf. Tritt ein Scheidenpilz nach den Wechseljahren auf, kann das mit Medikamenten zusammenhängen, etwa mit östrogenhaltigen Mitteln.
Woran man es erkennt — und woran nicht
Typisch sind Brennen, Juckreiz und Schmerzen; die Scheidenschleimhaut ist gerötet und weißlich belegt, und einige Tage vor der Regelblutung können sich die Symptome verstärken. Breitet sich die Infektion auf die äußeren Geschlechtsorgane aus, sind auch die Schamlippen gerötet und geschwollen. Der Ausfluss ist weiß-gelblich und kann wässrig oder krümelig sein und geronnener Milch ähneln. Weil sich diese Beschwerden mit denen einer bakteriellen Vaginose überschneiden, lässt sich bei Unklarheiten Scheidenflüssigkeit entnehmen und auf Hefepilze untersuchen.
Scheidenspülungen und Intimsprays schaden
Manche Methoden schaden mehr, als sie nutzen. Die Scheide sollte nicht ausgespült werden, und auf Intimsprays sollte verzichtet werden — beides schädigt die natürliche Scheidenflora und begünstigt damit genau die Infektionen, die man verhindern wollte. Bei einer bestehenden Infektion kann sich die Entzündung durch Ausspülen sogar verstärken. Wer ansonsten gesund ist, braucht nicht besonders vorzubeugen.
Joghurt, Knoblauch, Teebaumöl und Probiotika
Manche Frauen führen mit Teebaumöl getränkte Tampons oder Knoblauch ein, andere verwenden Naturjoghurt, um das Scheidenmilieu anzusäuern. Es ist nicht untersucht, ob solche Mittel wirksam und sicher sind; mögliche Risiken sind allergische Reaktionen oder Reizungen der Schleimhaut. Auch für Probiotika-Präparate, ob eingenommen oder eingeführt, ist die vorbeugende Wirkung nicht gut untersucht, und der Nutzen von Zäpfchen oder Kapseln mit lebenden Milchsäurebakterien in der Behandlung gilt als nicht ausreichend belegt.
Behandlung und was rezeptfrei erhältlich ist
In der Regel reicht ein Antipilzmittel: Ein Zäpfchen oder eine Creme wird mit einem Applikator in die Scheide eingeführt, manche Arzneimittel lassen sich auch einmalig als Tablette einnehmen. Rechtlich ist die Lage in Deutschland fein abgestuft. Laut Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung ist Clotrimazol zur vaginalen Anwendung rezeptfrei bis zu einer Gesamtmenge von 600 mg, verteilt auf bis zu drei Einzeldosen und für eine Anwendungsdauer bis zu drei Tagen; für Miconazol gilt eine entsprechende Ausnahme bis 1.043 mg und ebenfalls drei Tage. Econazol dagegen ist zur vaginalen Anwendung verschreibungspflichtig, und Fluconazol zum Einnehmen ist es ohne Ausnahme.
Warum das Aufschieben teuer wird
Vielen Frauen sind Erkrankungen der Geschlechtsorgane peinlich, und manche schieben deshalb die Behandlung auf oder sagen ihrer Sexualpartnerin oder ihrem Sexualpartner nichts davon. Beides hat Folgen: Die Infektion dauert womöglich länger, und andere können angesteckt werden. Hinzu kommt ein körperlicher Grund. Ist die Scheidenschleimhaut entzündet oder wird die juckende Haut im Bereich der Schamlippen aufgekratzt, können sich andere Krankheitserreger leichter ansiedeln und die Beschwerden verstärken — auch benachbartes Gewebe wie die Harnröhrenmündung kann sich dann leichter entzünden. Ein Scheidenpilz kann übrigens auch durch Ansteckung entstehen, wenn sehr viele Hefepilze von außen in die Scheide gelangen, etwa beim Geschlechtsverkehr mit einem Mann, der eine Pilzinfektion der Eichel hat.
Wann ein Arztbesuch nötig ist
Bei oft wiederkehrenden Infektionen, starken Schmerzen oder einem erhöhten Risiko für Komplikationen — etwa bei einer Immunschwäche — ist es sinnvoll, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen. Treten die Infektionen häufig auf, wird geprüft, ob Risikofaktoren wie eine Immunschwäche vorliegen; in dem Fall kann es sinnvoll sein, dass sich auch der Partner oder die Partnerin untersuchen lässt. Ansonsten muss die Partnerin oder der Partner nicht mitbehandelt werden — nur wenn dort selbst eine Hefepilzinfektion im Genitalbereich festgestellt wurde.
Schwangerschaft: nicht auf eigene Faust behandeln
Hier ist der Einsatz höher. Bei Schwangeren können Scheideninfektionen das Risiko für Komplikationen wie vorzeitige Wehen, Fehl- und Frühgeburten leicht erhöhen, und das Kind kann sich während der Geburt anstecken — bei Neugeborenen kann der Pilz unter anderem zu einer Entzündung der Mundschleimhaut oder einer Windeldermatitis führen. Wer schwanger ist und Beschwerden hat, sollte das deshalb ärztlich abklären lassen statt selbst zu behandeln.
Was sich im Alltag lohnt
Statt Zucker zu streichen: das Bad ohne Intimspray und ohne Spülung gestalten, auf luftdurchlässige Wäsche und trockene Kleidung nach dem Sport achten, Antibiotika nur nach ärztlicher Anweisung nehmen, und bei bekanntem Diabetes den Blutzucker gut eingestellt halten. Ernsthafte Komplikationen sind sehr selten und treten meist nur bei geschwächtem Immunsystem auf. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
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