Dehydrierung bei Hitze: Warum mehr trinken allein nicht reicht
Schwindel und Erschöpfung bei Hitze liegen nicht nur an der Temperatur. Kaffee, Alkohol und reines Wasser ohne Elektrolyte können die Dehydrierung verstärken.

Schwindel, Erschöpfung oder ein schwerer Kopf an heißen Tagen werden schnell allein der Temperatur zugeschrieben. Tatsächlich spielen aber auch ganz alltägliche Trinkgewohnheiten eine Rolle dabei, wie schnell der Körper aus dem Gleichgewicht gerät. Zwei davon drehen sich um Kaffee und Alkohol, eine dritte klingt zunächst überraschend: reines Wasser allein.
Kaffee und Alkohol: zwei unterschätzte Faktoren bei Hitze
Koffein gilt als Wasserräuber, dabei ist die Sache differenzierter. Ein normaler Kaffee oder Tee entwässert gesunde Erwachsene in der Regel nicht spürbar, weil die im Getränk enthaltene Flüssigkeit die leicht harntreibende Wirkung des Koffeins meist ausgleicht. Anders sieht es bei großen Mengen aus, etwa einem großen Eiskaffee oder einem Energydrink – hier kann die Urinausscheidung messbar steigen. An Tagen mit starkem Schwitzen sollte ein koffeinhaltiges Getränk deshalb nicht die Hauptquelle der Flüssigkeitszufuhr sein.
Bei Alkohol ist die Einschätzung der Fachbehörden deutlicher. Das IQWiG empfiehlt bei Hitze ausdrücklich nicht alkoholische, kühle – aber nicht zu kalte – Getränke wie Wasser, Kräuter- oder Früchtetee und Saftschorlen mit wenig Saft und viel Wasser. Und es führt Menschen, die bei Hitze Alkohol trinken oder psychoaktive Drogen konsumieren, ausdrücklich unter den bei Hitze besonders gefährdeten Gruppen auf – gleichrangig neben chronisch Erkrankten und im Freien Arbeitenden. Auch in der Ersten Hilfe bei Hitzereaktionen taucht Alkohol nur als Ausschlusskriterium auf: Betroffene sollen kühle, nicht alkoholische Getränke bekommen.

Warum reines Wasser bei starkem Schwitzen nicht reicht
Der Körper verliert beim Schwitzen nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Natrium und andere Elektrolyte. Das IQWiG beschreibt genau diesen Zusammenhang: Verliert der Körper zu viel davon, belastet das den Kreislauf, besonders wenn körperliche oder geistige Anstrengung dazukommt – und eine niedrige Salzkonzentration in den Muskeln kann zu schmerzhaften Krämpfen führen. Deshalb lautet die Empfehlung für alle, die viel schwitzen, den Verlust an Elektrolyten nicht nur über Wasser, sondern über mit Kochsalz gewürzte Speisen und elektrolythaltige Getränke auszugleichen. Auch in der Ersten Hilfe bei Hitzeerschöpfung steht: erst kühle, nicht alkoholische Getränke, und wenn das nicht ausreicht, eine Elektrolyt-Lösung ergänzen.

Wie viel ist eigentlich genug? Die Richtwerte der DGE
Statt sich auf ein Bauchgefühl zu verlassen, lohnt der Blick auf die Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Ihre Richtwerte für die Wasserzufuhr nennen für Erwachsene von 25 bis unter 51 Jahren etwa 1 410 ml pro Tag über Getränke, dazu rund 860 ml über feste Nahrung – zusammen mit dem im Stoffwechsel gebildeten Wasser ergibt das eine Gesamtzufuhr von etwa 2 600 ml täglich. Ab 65 Jahren liegen die Werte mit rund 1 310 ml über Getränke und 2 250 ml gesamt niedriger, was den Bedarf im Alter nicht kleiner, aber die Gefahr eines schleichenden Defizits größer macht. Entscheidend ist der Zusatz der DGE: Ein erhöhter Wasserbedarf besteht bei hohem Energieumsatz, Hitze, trockener kalter Luft, reichlichem Kochsalzverzehr, hoher Proteinzufuhr sowie bei Fieber, Erbrechen und Durchfall. Die Richtwerte gelten also für durchschnittliche Klimabedingungen in Deutschland – an einem Hitzetag sind sie eine Untergrenze, keine Zielmarke.
Wer bei Hitze besonders aufpassen muss
Der Deutsche Wetterdienst spricht von „starker Belastung“, wenn die Lufttemperatur mindestens zwei Tage lang bei 29 °C oder darüber liegt und die Nächte kaum Abkühlung bringen; ab 35 °C gilt die Belastung als „extrem“. Eine einheitliche Gefahrenschwelle gibt es laut IQWiG aber nicht, weil Menschen unterschiedlich gut mit Hitze zurechtkommen. Besonders gefährdet sind unter anderem Säuglinge und Kleinkinder, ältere und pflegebedürftige Menschen, chronisch Erkrankte sowie Menschen, die Beruhigungsmittel, entwässernde oder blutdrucksenkende Mittel einnehmen. Wichtig dabei: Solche Medikamente setzt man nicht in Eigenregie ab und dosiert sie nicht selbst um – das IQWiG rät stattdessen, vorsorglich vor dem Sommer mit der Ärztin oder dem Arzt darüber zu sprechen. Für die Wohnung nennt das IQWiG eine klare Marke: Die Temperatur in den Wohnräumen sollte 26 °C nicht übersteigen.
Nicht nur Wasser – das hilft dem Körper wirklich
- Koffeinhaltige Getränke mit Wasser abwechseln — besonders an Tagen mit stärkerem Schwitzen als sonst.
- Vor und während längerer Zeit in der Hitze im Freien auf Alkohol verzichten — erst auffüllen, dann in kühlerer Zeit genießen.
- Nach starkem Schwitzen zu gesalzenen Speisen, natriumreichem Mineralwasser oder Elektrolytgetränken greifen — das gleicht Wasser und Salze gemeinsam aus.
- Saftschorle mit viel Wasser statt purem Saft — vom IQWiG ausdrücklich als geeignetes Hitzegetränk genannt.
- An gewöhnlichen Tagen mit normalem Schwitzen deckt eine ausgewogene Ernährung den Natriumbedarf meist von selbst ab.
Woran man einen Hitzenotfall erkennt
Der Unterschied zwischen „viel getrunken, trotzdem schlapp“ und einem echten Notfall lässt sich an konkreten Zeichen festmachen. Bei einer Hitzeerschöpfung ist die Haut feuchtwarm, bei hellhäutigen Menschen auch blassgrau, dazu können Muskelschmerzen oder -krämpfe in Bauch, Armen oder Beinen kommen. Beim Hitzschlag kippt das Bild: die Körpertemperatur steigt rasch über 39 °C, die Haut wird heiß und trocken, dazu können Verwirrtheit, ein eingetrübtes Bewusstsein und Nackensteife auftreten. Eine Körpertemperatur über 42 °C ist laut IQWiG schon nach kurzer Zeit lebensbedrohlich – hier zählt jede Minute, also sofort den Notruf 112 wählen. Bis Hilfe eintrifft: an einen kühlen Ort bringen, enge Kleidung lockern, feuchte kühle Umschläge anlegen oder die Kleidung nass machen und mit kühlem Wasser waschen, aber nicht ins kalte Wasser springen.
Eine Frage zum Mitnehmen
Wie oft war Ihr Getränk heute nur Kaffee oder nur Wasser, obwohl Sie schon stark geschwitzt hatten? Schon eine kleine Umstellung an besonders heißen Tagen kann viel bewirken, ganz ohne auf Kaffee oder das gelegentliche Bier verzichten zu müssen. Bei Schwindel, Verwirrtheit oder starkem Unwohlsein sollte man sofort einen kühlen Ort aufsuchen und im Zweifel ärztlichen Rat einholen. Dieser Beitrag dient nur der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Ähnliche Artikel
3 Min. Lesezeit7 AufrufeKollagenverlust: Warum Cremes allein nicht helfen
Rauchen, UV-Strahlung und Zucker aktivieren Enzyme, die Kollagen abbauen – Raucherhaut wirkt im Schnitt 10 Jahre älter. So unterstützt du deine Haut wirksam.
3 Min. Lesezeit3 AufrufeKalte, geschwollene Hände und Füße: Liegt es an der Ernährung?
Kribbelnde, kalte oder geschwollene Hände und Füße liegen nicht immer am Alter. Fettreiche Brühen, Kaffeeweißer und Fruchtsaft belasten oft die Durchblutung.
5 Min. Lesezeit3 Aufrufe