Haarausfall: Warum nicht immer das Essen schuld ist
Mehr Haare im Abfluss? Nicht immer ist das Essen schuld. Warum nicht Testosteron der Auslöser ist, wann ein Eisenmangel dahintersteckt und was hilft.

Wenn nach dem Waschen mehr Haare im Abfluss liegen als sonst und der Scheitel im Badezimmerlicht breiter wirkt, ist der erste Verdacht meistens die Ernährung: zu viel Zucker, zu viel Frittiertes, zu viel Salz. Tatsächlich unterscheidet die Medizin hier zwei sehr verschiedene Ausgangslagen, und nur bei einer davon spielt das Essen überhaupt eine belegte Rolle. Wer die beiden auseinanderhält, spart sich viel Geld für Produkte, die an der eigenen Ursache vorbeigehen.
Warum zu viel Testosteron nicht der Auslöser ist
Die häufigste Form des Haarausfalls ist die androgenetische Alopezie: Laut dem Portal des Bundesgesundheitsministeriums sind bis zu 70 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen im Lauf des Lebens betroffen. Entgegen der verbreiteten Vorstellung liegt dabei in aller Regel keine Störung des Hormonhaushalts vor, und der Grund ist auch nicht ein Zuviel an Testosteron. Ausschlaggebend ist eine Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber 5-alpha-Dihydrotestosteron, einer aktiven Form des Testosterons. In der Folge verkürzt sich die Wachstumsphase der Haare, die Follikel bilden sich zurück, und die betroffenen Haare werden immer dünner. Weil hier die Empfindlichkeit der Follikel den Ausschlag gibt, lässt sich dieser Verlauf über den Speiseplan nicht aufhalten.
Wann steckt ein Eisenmangel dahinter?
Es gibt allerdings eine Ernährungsursache, die sich lohnt zu prüfen. Beim Eisenmangel zählt Haarausfall zu den typischen Symptomen, gemeinsam mit blasser Haut, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, eingerissenen Mundwinkeln und brüchigen Nägeln. Das IQWiG-Portal Gesundheitsinformation.de beschreibt Eisenmangel als die häufigste Mangelerscheinung weltweit; in Europa sind etwa 5 bis 10 Prozent der Menschen betroffen, Frauen vor den Wechseljahren wegen der Regelblutungen deutlich häufiger.
Auslöser ist oft nicht die Menge an Süßem oder Salzigem, sondern das Gegenteil: eine zu geringe Eisenzufuhr bei sehr einseitiger Ernährung oder bei Essstörungen. Auch bei vegetarischer oder veganer Ernährung fällt es schwerer, den Bedarf zu decken. Wer also gerade eine strenge Diät hinter sich hat oder Fleisch komplett gestrichen hat und gleichzeitig mehr Haare verliert, hat einen konkreten Ansatzpunkt, der sich mit einem Blutbild klären lässt.
Was sich ändert, wenn Sie an der richtigen Stelle ansetzen
Wird zuerst der Eisenstatus geklärt, entfällt das Raten: Ein Mangel lässt sich gezielt angehen, und bei normalen Werten ist klar, dass die Ursache woanders liegt. Eisenreiche Lebensmittel sind zum Beispiel Fleisch, Spinat, Linsen, Kichererbsen, Thunfisch, Haferflocken und Cashewkerne – Vitamin C aus Obst oder Gemüse zur selben Mahlzeit fördert die Aufnahme zusätzlich. Für eine ausgewogene Ernährung reicht das in der Regel aus, um den Bedarf zu decken.
Wer dagegen die anlagebedingte Form hat, gewinnt vor allem durch Zeit. Grundsätzlich gilt: Je früher behandelt wird, desto besser stehen die Aussichten, möglichst viele Haare zu erhalten. Die Leitlinie empfiehlt Minoxidil zur äußerlichen Anwendung bei leichtem bis moderatem Schweregrad; bis ein sichtbarer Effekt eintritt, können Monate vergehen, und anfangs kann der Haarausfall vorübergehend sogar zunehmen, wenn nachwachsende Haare die inaktiven verdrängen. Finasterid als verschreibungspflichtige Tablette hemmt die Umwandlung von Testosteron in 5-alpha-Dihydrotestosteron; sichtbare Effekte sind meist erst nach 6 bis 12 Monaten zu erwarten, und über mögliche Nebenwirkungen wie Potenzstörungen oder eine Gynäkomastie klärt die Ärztin oder der Arzt vorab auf.
Ein Punkt spart dabei besonders viel Geld: Es werden viele Nahrungsergänzungsmittel mit Zink, Koffein oder Pflanzenextrakten angeboten, aber für keines dieser Produkte ist eine Wirkung gegen androgenetischen Haarausfall erwiesen. Als Ersatz für ein Blutbild oder für eine leitliniengerechte Behandlung taugen sie nicht.
Der wichtigste Punkt zum Schluss
Wenn Sie sich nur eine Sache aus diesem Text merken: Erst der Eisenstatus, dann die Entscheidung – und beides vor dem ersten gekauften Präparat. Ein Blutbild trennt die Ernährungsursache von der anlagebedingten Form und legt damit fest, ob Ihr Einkaufszettel oder eine hautärztliche Sprechstunde der richtige nächste Schritt ist. Bei kreisrunden kahlen Stellen, schmerzender, geröteter oder schuppender Kopfhaut oder plötzlichem starken Haarverlust sollten Sie ärztlichen Rat nicht aufschieben. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
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